UN-Friedenstruppen | Blauhelme

Als Friedenstruppen der Vereinten Nationen oder UN-Friedenstruppen, umgangssprachlich Blauhelmsoldaten bzw. Blauhelme, werden Militäreinheiten bezeichnet, die von den Mitgliedsländern der Vereinten Nationen (UN) für so genannte "friedenssichernde und -erhaltende Einsätze" (engl. peacekeeping) bereitgestellt werden und unter dem Kommando der Vereinten Nationen stehen. Seit 1948 sind sie in den verschiedenen Konfliktregionen in aller Welt im Einsatz.

Die bewaffneten Einsätze der Vereinten Nationen erfordern einen Beschluss des UN-Sicherheitsrates und werden nach Beobachtermission, Friedensmission und Friedenserzwingung nach Kapitel VII der UN-Charta unterschieden.

Wirkungslos oder brutal

Die so genannten Friedenstruppen genießen in der deutschen Öffentlichkeit einen guten Ruf. Dies nicht unbedingt zu recht. Wie Blauhelm-Einsätze in Afrika unter Beteiligung der deutschen Bundeswehr zeigen, sind die so genannten Friedenstruppen im besten Fall schlichtweg wirkungslos, im schlechtesten Fall sind sie in schwere Kampfhandlungen verwickelt bis hin zu militärischen Bestrafungsaktionen.

Bemerkenswert ist, dass UNO-Truppen vielfach in Ländern eingesetzt werden, in denen westliche Industriestaaten ein großes Interesse an der Ausbeutung der Rohstoffe haben.

Beispiel Sudan: Wirkungslose Ausflüge per Flugzeug und Jeep

Im Interview mit ngo-online (16. April 2010) skizierte der Sudan-Experte Stefan Kröpelin von der Universität Köln den Einsatz der UN-Truppen im Sudan so:

"Ich würde sagen, sie bewirken überhaupt nichts - außer Spesen nichts gewesen. Diese UN-Maßnahmen verursachen nur hohe Kosten. Es soll um Milliarden gehen. Sie bringen selbst nach Aussagen der Südsudanesen überhaupt nichts. Die aus vielen Ländern zusammen gemischten UN-Soldaten verbringen die meiste Zeit in ihren stacheldrahtbewehrten Lagern. Einige machen wenig sinnvolle aber extrem teure Überwachungsflüge oder fahren in dem riesigen Land im Jeep, aber nur in der Nähe ihrer Camps herum. Jeden Abend kehren sie ins Lager zurück. Wir haben Soldaten der UNMIS befragt - die wussten teilweise gar nicht, wo sie sind und was sie machen sollen. Sie sitzen in ihren Wohncontainern und schauen sich Pornos an. Da spielt sich ein absurdes Theater ab, das in fernen Hauptstädten des Westens aus politischen Gründen inszeniert wurde.

Mit einem Bruchteil des Geldes hätte man so viel Nützlicheres erreichen können. Man hätte zum Beispiel einheimische Nomaden zu ungleich kostengünstigeren Hilfspolizisten ausbilden können, die das Land und die Sprachen kennen. Die könnten für viel mehr Ordnung sorgen als alle fremden UN-Soldaten, die wie waffenstrotzende Rambos im Jeep durch die Gegend fahren. Es ist nicht nachvollziehbar, wie man so viel Geld verschwenden kann."

Beispiel Kongo: Racheakt der Vereinten Nationen

Auch in der Demokratischen Republik Kongo, wo nach Einschätzung des deutschen Auswärtigen Amtes in "Krieg der Rohstoffe" wütet, sind UN-Friedenstruppen im Einsatz (MONUC).

Am 1. März 2005 kam es zu einem Racheakt der UN-Truppen im Kongo, bei dem mindestens 50 Milizionäre getötet worden sein sollen. Der Angriff von UN-Blauhelmsoldaten auf ein Milizenlager in der kongolesischen Region Ituri wurde in einem Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" (FAZ) unter Verweis auf Äußerungen des Generalstabschefs der UN-"Mission" für Kongo (MONUC) als gezielter Racheakt dargestellt.

In einer Pressemitteilung vom 31. März begrüßte die deutsche Staatsministerin im Auswärtigen Amt, Kerstin Müller, "ausdrücklich" das jüngste resolute Vorgehen der Vereinten Nationen. Nach Auffassung Müllers

"muss das robuste Mandat von MONUC voll ausgeschöpft werden, wie es auch vom Sicherheitsrat in seiner neuen Resolution gefordert wird. Ich begrüße daher auch ausdrücklich das jüngste resolute Vorgehen MONUCs im Distrikt Ituri, das ein klares Signal an alle Friedensstörer ausgesandt hat."

Lesen Sie hierzu:

• Vereinte Nationen töteten im 'Krieg der Rohstoffe' mehr als 50 Kongolesen (ngo-online vom 3. März 2005)

• Begrüßt die Bundesregierung einen Racheakt der Vereinten Nationen? (ngo-online vom 4. April 2005)

Frauenhandel und Zwangsprostitution

Menschenrechtsorganisationen sehen in der Stationierung von UN-Truppen die Ursache für stark steigenden Frauenhandel zur Zwangsprostitution in den jeweiligen Regionen.

So war zum Beispiel der Kosovo seit Entsendung von "internationalen friedenserhaltenden Kräften" (KFOR) und Einrichtung der Übergangsverwaltungsmission der Vereinten Nationen im Kosovo (UNMIK) zum Hauptziel für Frauen- und Mädchenhandel geworden, und die Zahl an registrierten Etablissements, in denen Frauen als Zwangsprostituierte arbeiten müssen kräftig gestiegen. Ergriffene Gegenmaßnahmen sind nach Auffassung von Menschenrechhtsorganisationen nicht ausreichend.

Verschärft wird die Situation durch die Immunität der Soldaten, die sie im Falle von Menschenrechtsverletzungen vor gerichtlicher Verfolgung schützen.

Literatur / Quellen

Nachrichten-Café

Wikipedia

 
 

Im Kontext:

Humanitäre Intervention

Krieg | Frieden

Responsibility to Protect

 
 

Henrik Paulitz: Kriegsmacht Deutschland?

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Henrik Paulitz: Anleitung gegen den Krieg

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Akademie Bergstraße, 2. Aufl. 2017