Ukraine

Die Ukraine ist ein Staat in Osteuropa. Das Land verfügt nach Russland über das zweitgrößte Staatsgebiet in Europa. Die Hauptstadt ist Kiew.

Überhöhter Erdgas-Preis für Gazprom

Die Ukraine steht seit 2009 massiv unter Druck, nachdem der Gaskonzern Gazprom mit der damaligen Ministerpräsidentin und Energiemanagerin Julija Tymoschenko einen Gasvertrag unterzeichnet hatte. Der Gazprom massiv begünstigende Vertrag sah die Lieferung von russischem Erdgas zu weit überhöhten Preisen und in nicht erforderlicher Menge vor. Der zu zahlende Preis lag weit dem Preis, den deutsche oder polnische Importeure zahlen mussten.

Nach jahrelangen Verhandlungen, in den denen die Nachfolgeregierung der Ukraine vergeblich versuchte, zu tragfähigen Konditionen zu kommen, entschied das Land schließlich, sich zunehmend selbst mit Erdgas zu versorgen und anstelle von Erdgas verstärkt wieder Kohlekraftwerke zur Stromerzeugung zu nutzen.

Das Land war um das Jahr 2012 auf dem besten Weg, seine Erdgasimporte zu halbieren, was für Gazprom natürlich gewaltige Gewinneinbußen bedeutet hätten. Hinter Gazprom steht bekanntermaßen der russische Staat; mit fast 27% der Anteile ist aber auch die Bank of New York Mellon, eine der mächtigsten Geldhäuser der Welt, an Gazprom beteiligt.

Regime-Change, Krieg und seine Folgen

Der Druck auf die ukrainische Regierung wurde schrittweise massiv erhöht, bis es schließlich im Februar 2014 zum gewaltsamen Regime-Change. Es folgten ein Krieg in der Ostukraine und die so genannte Krim-Krise.

Auf Druck des IWF sollte der Öl und Gassektor privatisiert und es sollten die Erdgas-Preise für die Bevölkerung massiv erhöht werden. Die EU wollte Geld in das Land pumpen, damit die Ukraine ihre "Schulden" bei Gazprom bezahlen könne. Zugleich kündigte der Gaskonzern an, den zwischenzeitlich abgesenkten Erdgaspreis wieder drastisch erhöhen zu wollen.

Im Ostukrainekrieg ab 2014 wurden systematisch Kohlebergwerke im Donbass zerstört und außer Betrieb gesetzt, so dass die Ukraine ihre Kraftwerke nicht im geplanten Umfang zur Stromerzeugung mit eigener Kohle befeuern konnte. Das Land, eigentlich ein Netto-Stromexporteur, musste ab Dezember 2014 Strom aus Russland importieren. Außerdem sah sich die Ukraine, einst ein großer Kohlelieferant in der Sowjetunion, gezwungen, Kohle aus Russland, den USA und aus Südafrika zu hohen Preisen einzuführen.

Annexion der Krim

Im Zuge der Krim-Krise erlitt die Strategie, sich in erheblichem Umfang mit Erdgas selbst zu versorgen, einen substanziellen Rückschlag. Sofort nach der Angliederung der Krim an Russland wurde das dort ansässige, ukrainische Erdgas-Förderunternehmen Tschernomorneftegas "nationalisiert" und somit der Verfügungsgewalt der Ukraine entzogen.

Die geplante Ausweitung der Erdgasförderung der Ukraine im Schwarzen Meer war somit nicht mehr durchführbar, Royal Dutch Shell und ExxonMobil stoppten ihre "ukrainischen" Erdgasprojekte. Die Geschehnisse auf der Krim wurden von diversen Militärmanövern begleitet.

Es zeigt sich, dass die langjährige Krise und der Krieg in der Ukraine von massiven energiewirtschaftlichen Interessen durchdrungen sind. Der ehemalige Energielieferant der Sowjetunion wurde zum hoch verschuldeten Energieimporteur, ein erheblicher Teil der Energiever-sorgungsstruktur wurde im Krieg zerstört oder geraubt. Der Versuch des souveränen Staates, eine selbstbestimmte Energiepolitik zu realisieren, war gescheitert.

NATO bestätigt energiewirtschaftliche Konfliktanalyse

Die NATO resümierte in einer Analyse, durch den Verlust der Kontrolle über die Donbas-Region sei die Energie-Importabhängigkeit der Ukraine gestiegen. Der Verlust der Öl- und Gasfördermöglichkeiten im Schwarzen Meer ist für die Ukraine "ein herber Rückschlag für ihre wirtschaftliche Zukunft und ihrer Hoffnung auf Energie-Unabhängigkeit". Laut NATO war die Annexion der Krim sehr stark von dem Bemühen getrieben, "die Energie und Gas-Diversifizierungsstrategie der Ukraine zu unterminieren".

Informationen der Akademie Bergstraße

Henrik Paulitz: Kriegstreiber Energiekonzerne? - Energiewirtschaftliche Weichenstellungen im Ukraine-Krieg. Lunapark21. 30/2015. S. 58-61.

Akademie Bergstraße: NATO sieht Energie-Konflikt ursächlich für Ukraine-Krieg und Krim-Krise. Analysen und Empfehlungen. Von Henrik Paulitz. Juli 2016.

 
 

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